Fehlende Daten bremsen Krisenpolitik: Ingo Isphording im Hessischen Landtag

Dateninfrastruktur als Schlüssel für Krisenresilienz

2. April 2026

Ingo Isphording, Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik, hat als Sachverständiger im Hauptausschuss des Hessischen Landtags zu Maßnahmen zur Stärkung der Krisenresilienz Deutschlands sowie zu Lehren aus der Corona-Pandemie Stellung genommen.

Im Mittelpunkt seiner Stellungnahme stand die Analyse der Dateninfrastruktur in Deutschland, die er als zentrales strukturelles Defizit der Krisenpolitik bezeichnete. Viele relevante Daten lägen nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung vor, seien stark aggregiert oder auf einzelne Querschnitte beschränkt. Zudem fehlten häufig Möglichkeiten, Daten über verschiedene Rechtskreise hinweg sinnvoll zu verknüpfen. Für Forschung und evidenzbasierte politische Steuerung stünden sie daher oft nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung.

Besonders deutlich zeigten sich diese Probleme im Bildungsbereich. Schulschließungen hätten dort vermutlich die stärksten Nebenwirkungen aller pandemiebedingten Maßnahmen verursacht. Gleichzeitig erschwere die unzureichende Datenlage eine systematische Analyse dieser Folgen und damit auch eine gezielte politische Reaktion.

Die Defizite hätten konkrete wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen: Politische Programme im Milliardenumfang könnten weder konsequent bedarfsorientiert umgesetzt noch zuverlässig auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Damit fehle eine zentrale Voraussetzung für eine lernfähige Politik und für eine nachhaltige Stärkung der Krisenresilienz.

Ein Blick ins Ausland zeige jedoch, dass ein besserer Zugang zu verknüpfbaren Forschungsdaten durchaus mit hohen Datenschutzstandards vereinbar ist. Auch in Deutschland gebe es mit aktuellen Reformvorhaben – etwa dem Bildungsverlaufsregister oder dem Forschungsdatenzugangsgesetz – konkrete Ansätze zur Verbesserung der Situation. Ob diese Potenziale ausgeschöpft werden, sei letztlich eine Frage des politischen Willens, Datenverknüpfung als Grundlage wirksamer Krisenpolitik anzuerkennen.

Zur Redakteursansicht